Soundscape Shqiperia
Klangreise durch Albanien
     
     

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Mixed Culture im Zentrum Tiranas


Lahute, in den nordalbanische Alpen


Auf der Hochzeit in Puke (Nordalbanien) ...


... Mixed Culture bis die Ohren platzen


Lahute-Spieler (nordalbanische Alpen)


Majekrahi-Sänger in traditioneller Kleidung (Nordalbanien): nur noch museale "Gesangskunst"


Straßenmusiker auf dem großen Platz in Tirana

 

 

Volksmusik heute

Im einem Buch über die Geschichte der Albaner wird gleich am Anfang auf eine Tatsache hingewiesen, die es notwendig macht, die Erforschung eines bestimmten Elementes der albanischen Volksmusik auf keinen Fall allein auf das heutige Staatsterritorium zu beschränken. Dort heißt es: „Das zusammenhängende Siedlungsgebiet der Albaner ist wesentlich größer als das Territorium des Staates, der heute ihren Namen trägt. Es greift nach Osten in den Raum des ehemaligen Jugoslawien hinein, im Süden erfasst es Teile des heutigen Nordgriechenland. Geschlossene albanische Siedlungsgebiete gibt es auch in der Diaspora – in Süditalien, im südlichen Griechenland, im türkischen Ostthrakien.“
(Bartl 1995, S11).

Wir mussten feststellen, dass die traditionelle Musik in Albanien im Vergleich zu vielen anderen Ländern Europas auch in der heutigen Zeit noch eine weite Verankerung hat.
Wenngleich der Anteil der westlichen Musik vor allem nach dem Zusammenbruch der kommunistischen Diktatur stark zugenommen hat, bilden in vielen zeitgenössischen Stücken der Populärmusik traditionelle musikalische Elemente den Kern beziehungsweise sind diese die unverkennbare Basis.

Diese Tendenz der Verwestlichung ist vorwiegend unter den Musikschaffenden der Städte zu bemerken. Man trifft dort vermehrt auf kleine Combos, deren Besetzung zum Beispiel lediglich aus Vokal-Stimme und Keyboard bestehen kann.
Diese Kapellen werden in Restaurants oder zu Hochzeiten und ähnlichen Feierlichkeiten geladen. Daneben gibt es Kapellen, die auf standardisierten westlichen Instrumenten wie Gitarre, elektrifizierter Bass, Schlagzeug, Keyboard etc. traditionelle Musiken spielen. Unseren Erfahrungen nach wird in einer ohrenbetäubenden Lautstärke musiziert, sobald sich Verstärkertechnik im Spiel befindet. Bemerkenswert dabei ist allerdings, dass die Musiker keineswegs an Virtuosität verlieren, wenn sie auf das Keyboard als Instrument wechseln. In Tirana zum Beispiel haben wir beeindruckende Fertigkeiten auf dem Instrument bei solch einer Zwei-Mann-Combo hören können.

Stehen einer Veranstaltung keine Live-Musiker zur Verfügung, wird die Musik aus der Konserve abgespielt. Selbst hier sind nur selten westeuropäische oder amerikanische Produktionen zu hören: stattdessen die oben beschriebene Mischung aus Pop und eigener Volksmusik, die sogenannte „mixed culture“.

Die Feinheiten der Spielweise verschiedener Volksinstrumente, besonders bezüglich ihrer Klangfarbe, gehen dabei natürlich verloren. Sie nehmen den Liedern die vertraute Atmosphäre der ursprünglichen Instrumente und schaffen andere Beziehungen zwischen der melodischen Linie und dem Begleitensemble. Sie beeinflussen damit nicht nur die melodische Linie, sondern das Lied als Ganzes. Hier stellt sich erst einmal nicht die Frage, ob solche Entwicklungen abzulehnen sind oder nicht. Es soll in diesem Zusammenhang lediglich bemerkt werden, dass die ´mixed culture´ in diesen Tagen zumindest im Lande selber als ziemlich erfolgreich zu bezeichnen ist; die Schallplattenläden sind voller albanischer Produktionen, die - und das hat uns zugegebenermaßen erstaunt - zwar auf westliche Poppatterns zurückgreifen, dabei aber volkstümliche musikalische Elemente bewusst und ausgiebig einsetzen. Die kulturellen musikalischen Wurzeln scheinen in Albanien trotz des in anderen Bereichen beängstigenden Blindfluges gen Westen auch bei den jugendlichen Musikliebhabern einen hohen Stellenwert zu genießen.

Daneben gibt es, allerdings weit weniger im Alltag und mehr in den ländlichen Regionen verankert, jene Volksmusikkultur, die noch auf traditionellen Instrumenten praktiziert wird und auf die sich die schriftliche Arbeit konzentriert. Dabei wird sich zeigen, dass in Albanien die volkstümliche Musik in ihrer traditionellen Spielweise noch immer sehr lebendig ist und von der Bevölkerung hoch angesehen wird.