Soundscape Shqiperia
Klangreise durch Albanien
     
     

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Kultur-Landschaften

 

 

Einen ersten Eindruck über die Vielfältigkeit der albanischen Volksmusiklandschaft kann man aus der allgemeinen Gliederung der ethnographischen Gebiete des Landes gewinnen. Sie beginnt mit der Trennung zwischen Norden und Süden, zwischen den Gegen und den Tosken. Die geographische Grenze dieser zwei Gebiete im albanischen Staat bildet der Fluss Shkumbin in Mittelalbanien. Es wäre hier falsch an eine statische Grenze zu denken, vielmehr zeigt sich das Gebiet um den Fluss als eine Übergangszone vom gegischen ins toskische Gebiet.

Die Trennung ist in mehreren Belangen festzustellen: Die albanische Sprache kennt zum Beispiel zwei Hauptdialekte, im Norden wird gegisch, im Süden toskisch gesprochen. Die traditionelle Männertracht zeichnete sich bei den Gegen durch die weiße Schafwollhose, die „tirq“, aus, die Tosken hingegen trugen einen weißen Leinenrock, die „fustanella“, die über der enganliegenden Hose getragen wurde. Deutliche Unterschiede zeigen sich ferner in den Volkstänzen und nicht zuletzt natürlich in der hier betrachteten Volksmusik einschließlich des Instrumentariums: Während die meisten gegischen Tänze gerne von kleinen Flöten und Lodër (große Trommel) begleitet werden, ist das toskische Tanzensemble meist aus Klarinette, Geige, Akkordeon und Def (Rahmen- oder Schellentrommel) zusammengesetzt.

Weitere Elemente, in dem sich die Unterschiede bemerkbar machen, sind das Metrum und der Rhythmus. Deren Vielfältigkeit und Filigranität bei den Gegen lässt sich zunächst wohl auf das einstimmige Singen (oft solistisch, aber auch als Duo praktiziert) zurückführen, das einen viel freieren rhythmischen Umgang zulässt, als das bei einem mehrstimmigen Gesang möglich ist. Eine weitere mögliche Ursache vermutet Sokoli: „ […] Das hat vielleicht […] mit dem Fehlen der membranophonen Instrumente, die, wie man weiß, zur Messung, Akzentuierung und der Lebhaftigkeit des Rhythmus dienen, zu tun.“ (Sokoli, 1965, S. 13-14). Man sollte bei dieser Aussage allerdings die Ausschließlichkeit relativieren, d.h. eine Lodër oder eine Def beispielsweise sind den Tosken keinesfalls unbekannt, nur haben sie im Norden einen deutlich höheren Stellenwert.

Innerhalb dieser groben Zweiteilung des Landes gibt es außerdem regionale Unterschiede und Charakteristika, Kleinregionen, die eigene Besonderheiten entwickelt haben, und auf die in musikalischer Hinsicht noch eingegangen wird. Aus eigener Erfahrung können wir bestätigen, dass eine derartige Kategorisierung durchaus realitätsnah ist. Wie hierzulande wohl kaum noch vorstellbar, findet man in Albanien gewissermaßen kulturelle Inseln mit ihren ganz eigenen Charakteristika. Nicht selten ist uns auf eine Frage nach einem Musikinstrument oder einer Liedgattung wie selbstverständlich entgegnet worden, so etwas gebe es hier doch nicht, da müssten wir zum Beispiel noch 50 Kilometer weiter östlich fahren.

Natürlich gibt es noch eine Vielzahl weiterer Unterschiede. Die vorliegenden Seiten wollen sich jedoch auf die Musik konzentrieren und somit sei an dieser Stelle zuerst einmal auf den vielleicht charakteristischsten Gegensatz der nördlichen und südlichen Lieder hingewiesen, der namentlich aus der gegischen Einstimmigkeit (Norden) einerseits und der toskischen Mehrstimmigkeit (Süden) andererseits besteht.

Interessant ist, dass die Religion überall im Siedlungsgebiet keinen wesentlichen Einfluss auf die Volksmusik hat. Dieselben Lieder und Tänze werden sowohl von den mohammedanischen als auch von den christlichen Albanern gespielt und getanzt.

Nicht zu vernachlässigen ist natürlich auch die Musik der in Albanien lebenden Roma, die man im ganzen Lande findet (in unseren Aufnahmen eine Combo aus dem südalbanischen Girokaster). Ihre Lieder kann man als eigenständige Gattung ansehen, die sich nicht in geographische Gebiete einordnen lässt; trotz des eigenen Stils der Lieder werden aber durchaus bekannte Melodien aus ganz bestimmten Städten oder Regionen des Landes verarbeitet.