Soundscape Shqiperia
Klangreise durch Albanien
     
     

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Der Sänger zeigt uns seine Auszeichnungen


... und Medaillien.


Seine Frau spinnt Wolle


Majekrahi-Sänger, Puke, Nordalbanien


Auch er wollte reinhören

 

 

 

 


Vokal-Ensemble, Sarande, Südalbanien


Hochzeitslieder, bei Puke, Nordalbanien


Vokal-Ensemble, Dorf bei Girokaster, Südalbanien


Vokal-Ensemble, Ausgrabungsstätte bei Girokaster, Südalbanien

 

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Gesang

 

Majekrahi

[Hörbeispiel Majekrahi]

Die Majekrahi-„Lieder“ werden heutzutage nicht mehr praktiziert und sind somit dem Vergessen fast gänzlich ausgeliefert. Lediglich auf Festivals traditioneller Musik kann diese zweckgebundene musikalische Form, wenn auch in unnatürlicher Umgebung, noch bestaunt werden. Unter diesem Aspekt sind wir sehr froh, noch Aufnahmen haben machen können, die in einiger Zeit möglicherweise von historischem Wert sein werden. In einigen Jahren wird aller Voraussicht nach kein Mensch mehr diese Kunst beherrschen.

Die Bezeichnung „Majekrahi“ spiegelt die charakteristische Haltung des Sängers während des Singens oder Rufens wider. Das Wort setzt sich aus „maje“ (zu deutsch: Spitze) und „krah“ (Arm) zusammen und könnte mit “an der Spitze des Armes“ übersetzt werden. Praktisch übersetzt bedeutet dies, dass der Vortragende unabhängig von der Haltungsvariante (im Stehen, auf den Knien oder im Schneidersitz) mit einem oder mehreren Fingern das Ohr zudrückt und die Ellenbogenspitze mehr oder weniger nach oben gerichtet ist. Auf unser Fragen nach Ursprung und vor allem Zweck dieser Technik entgegnete uns der Sänger, man könne dadurch lauter singen und größere Entfernungen überbrücken – unser Nichtverständnis dieser wenig einleuchtenden Aussage konnte der freundliche Herr nicht teilen und somit auch nicht besser beantworten. Bei Munishi heißt es: „Wir schließen die Ohren, um der Stimme größere Stärke geben zu können, damit man es möglichst weit hören kann und die Ohrmembrane nicht zerplatzt“.

Große Entfernungen zu übertönen ist oder vielmehr war gerade die Aufgabe dieser Lieder beziehungsweise melodiösen Rufe. Zu früheren Zeiten, da die Menschen ohne Telekommunikationstechnik auskommen mussten, wurden sie von den Bergbewohnern zur Nachrichtenübermittlung verwendet. Ferner wurden Mahekrahilieder genutzt, um beispielsweise auf Hochzeitszeremonien wichtige Momente für die ganze große Gesellschaft verständlich zu verkünden. Das Verbreitungsgebiet dieser „Lieder“ umfasste Teile Nordalbaniens, Montenegros und des Kosovo.

 

 

Polyphonie

[Hörbeispiel Polyphonie]

Man kennt vor allem drei große Traditionen. Die Tosken sind Namensgeber für den gesamten Raum Südalbaniens, zahlenmäßig größter Volksstamm im Süden und bewohnen heute das Gebiet zwischen den Flüssen Shkumbin und Vijosa. Südlich des Vijosa, bis nach Sarande hinunter, sind die Laben ansässig. Die Camen, deren Siedlungsgebiet südlich von Sarande bis zum griechischen Ioannina reicht, leben in Albanien nicht mehr als geschlossene Einheit. Sie haben jedoch bis heute die Besonderheiten in vielen Bereichen ihrer Volkskultur gut bewahrt.

Natürlich unterscheiden sich die Gesänge in vielerlei Hinsicht, dennoch lässt sich ein gemeinsames, sehr charakteristisches Merkmal feststellen: über einem ausgehaltenen Bordunton des Chores entfalten eine oder mehrere Solostimmen ihr melodisches Linienspiel. Der Chorpart wird als „Iso“ bezeichnet; Namensgeber ist ein Neumenzeichen aus der byzantinischen Musik, das die Wiederholung oder das Aushalten eines Tones fordert. Diese Funktion besitzt der Chor im gesamten südalbanischen Bordungesang. Tosken und Camen singen diesen Ton auf dem Vokal e, den der Chor durch chorisches Atmen über weite Strecken kraftvoll aushalten kann, Laben variieren zwischen e und o.

In Albanien wird diese Technik gewöhnlich als polyphon bezeichnet, die von uns aufgenommenen Sänger bezeichneten sich beispielsweise selbst als polyphone Gruppe. Leider konnten wir nicht in Erfahrung bringen, weder vor Ort noch in der Fachliteratur, worin diese Benennung ihren Ursprung findet. Es soll nur festgestellt werden, dass von unseren drei aufgenommenen „polyphonen“ Gruppen keine ein polyphones Lied gesungen hat. Vermutlich wird der Begriff „polyphon“ hier als Synonym für den Begriff „mehrstimmig“ verwendet.