Soundscape Shqiperia
Klangreise durch Albanien
     
     

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kurz Geschichte

 

Viele Bemerkungen in dieser Arbeit beziehen sich auf Grundkenntnisse über das Land und seine Geschichte. Abgesehen davon ist aber auch ein Basiswissen die notwendige Voraussetzung für eine Beschäftigung mit einem spezielleren Thema eines Landes und seines Volkes bzw. seiner Völker. Im Folgenden möchten wir die wichtigsten Informationen und Geschehnisse kurz zusammenfassen. Wer sich genauer über die Geschichte Albaniens oder einen Teil der Geschichte informieren möchte, sei auf den Anhang der Vordiplomarbeit bzw. die Quellenangaben verwiesen.

 

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Fragestellungen, ob zum Beispiel Albanien wirklich das ärmste Land Europas sei, erlangen zunächst eine nebensächliche Bedeutung, sobald man selbst den Fuß auf albanischen Boden gesetzt und die ersten Eindrücke gesammelt hat. Der kleine Staat liegt nicht einmal zwei Flugstunden von Mitteleuropa entfernt und ist doch ganz anders als unser gewohntes Umfeld - eine andere Welt, reich an Kontrasten. Hier treffen verschiedene Kulturen, verschiedene Religionen, verschiedene Zeiten direkt wahrnehmbar aufeinander. Trotz der schwierigen Lebensverhältnisse bemerkt man eine ungebrochene Lebensfreude und Zuversicht in die Zukunft. Viele Begegnungen wurden unvergesslich, die Gastfreundschaft ist in Albanien noch immer höchstes Gebot.

Die parlamentarische Republik Albanien liegt am westlichen Rand der Balkanhalbinsel zwischen den ex-jugoslawischen Ländern Montenegro und Kosovo/Serbien im Norden, Mazedonien im Osten und Griechenland im Süden. Albanien hat eine Fläche, die vergleichbar mit der Größe des Landes Brandenburg ist. Die in Albanien sehr tolerant gelebte Religionszugehörigkeit setzt sich aus etwa 70% Moslems, 20% Griechisch-Orthodoxen und 10% Katholiken zusammen.

Der Mythos der nationalen Einheit, im Wesentlichen gegründet während der kommunistischen Ära, spiegelt nicht die Realität: Abgesehen von den üblichen Unterschieden zwischen Küste und Binnenland ist der Unterschied zwischen dem Norden und Süden deutlich zu spüren. Die Trennlinie bildet der Fluß Shkumbin, an dem das Land am Ende des 4. Jahrhunderts unter Westrom und Ostrom aufgeteilt wurde. Der Süden bietet fruchtbare Ebenen, der Norden ist wildes, weitgehend unfruchtbares Gebirgsland. Hier leben die Gegen, in sich vielfach unterteilt in archaische Sippen- und Stammesverbände, im Süden leben die Tosken als traditionell leichter zugängliche Bauerngesellschaft und vermischt mit stärker kommerziellen Elementen. So dominierte im Norden seit dem 5. Jahrhundert die Romanisierung - auch gegenüber dem später eindringenden Islam. Im Süden dagegen behauptete sich das Griechentum, das noch heute in einer griechischen Minderheit präsent ist.

Seit 1992 hat parteipolitisch die demokratische Partei im Norden ihre Hochburg, während die Sozialisten ihre Stärke aus dem weiterentwickelten und von Griechenland beeinflussten Süden ziehen.

Albanien entwickelte eine eigene nationale Identität erst spät, die Unabhängigkeit war ein Abfallprodukt des Zerfalls Jugoslawiens. Seit dem achten russisch-türkischen Krieg (1877/78) wurde Albanien wie auch Bosnien-Herzegowina umhergestoßen mit Massakern, Zwangstaufen und Vergewaltigungen. Vorfahren der heutigen Albaner (der Name „Albanien" ist erst seit 1042 belegt) waren thrako-illyrische Stämme. Die weitere Entwicklung war von Unzugänglichkeit und Isolierung gekennzeichnet, die erst spät Eroberungen zuließen und die Erhaltung älterer Strukturen gegen Einflüsse von außen ermöglichten. Nach der endgültigen Reichsteilung im Jahre 398 gehörte Nordalbanien zu Ostrom und Südalbanien zu Westrom. Gegen die Südslawen behaupteten sich die romanisierten, seit ca. 400 zum größten Teil schon christlichen Illyrer, und bewahrten im Bergland Nordalbaniens ihre thrakisch-illyrische Sprache bei, in Restbeständen noch bis in die Gegenwart.

Byzanz prägte Albanien seit 1018 offenbar so stark, dass sich die Erinnerung daran selbst im volksdemokratischen Albanien im Festhalten am byzantinischen Doppeladler als Staatswappen der Republika Poppullóre e Shqiperíse ausdrückt.

Zwischen dem Zusammenbruch von Byzanz (1204) und der Unterwerfung durch die Osmanen (1419) geriet das Land in verschiedenen Konstellationen unter griechischen, bulgarischen, venezianischen, sizilianischen und großserbischen (1343) Einfluss, und war am Ende gar durch die Aufteilung in viele albanische Stammesfürstentümer stark Fragmentiert.

Die über 400jährige Unterwerfung Albaniens unter das osmanische Reich von 1419 bis 1878 erlebte den Höhepunkt ihres spätmittelalterlichen Widerstands im Aufstand unter dem legendär gewordenen Georg Kastriotis (Skanderbeg, 1434-1468). Der Aufstand und die Siege gegen die Osmanen hatten ein Ende nach dem Tod Kastriotis.

Die Schwäche der Türkei ermöglichte 1878 die Gründung der Liga von Prizren unter Abdyl Frashëri (1839-1892). Frashëri strebte beim Berliner Kongress eine nationale Schattenregierung unter türkischer Hoheit an; Bismarck war allerdings der Ansicht, Albanien sei nur ein geographischer Begriff. Die Albaner weigerten sich, in der türkischen Armee zu dienen und zahlten ihre Steuern nur noch an die albanische Liga. Die erste moderne Bewegung zur Befreiung Albaniens, das geheime Komitee zur Befreiung Albaniens (1906), ging mit den Jungtürken zusammen, sah sich aber nach der jungtürkischen Revolution (1908) vom türkischen Chauvinismus enttäuscht.

Im ersten Balkankrieg (1912/13) erhoben sich die Balkanvölker gegen die türkische Herrschaft. Albanien drohte, zwischen die Fronten zu geraten. Serben, Montenegriner, Griechen fielen in Albanien ein. «Ein tapferes, charaktervolles Volk wird vor aller Welt gekreuzigt, und Europa, das christliche, zivilisierte Europa schweigt dazu. Zehntausende wehrloser Menschen werden niedergemetzelt, Frauen werden geschändet, Greise und Kinder erwürgt, Hunderte von Dörfern niedergebrannt, Priester abgeschlachtet. Und Europa schweigt» (Leo Freundlich). Nach Ausbruch des ersten Balkankrieges rief Ismail Qemali am 28. November 1912 in Valona die Unabhängigkeit Albaniens aus und versuchte die Widerstandskämpfer zu einigen. Der 28. November 1912 ist heute der Nationalfeiertag in Albanien. Die volle Unabhängigkeit sollte Albanien aber erst 8 Jahre später erlangen. 1920 wurde Albanien in den Völkerbund aufgenommen.

Im Ersten Weltkrieg war Albanien von Truppen Österreich-Ungarns und der Alliierten besetzt.

Grenzziehungen von 1921/23 ließen einen Teil des zusammenhängenden Siedlungsgebietes außerhalb Albaniens, der größte Teil betraf das Kosovo.

Nach dem Ersten Weltkrieg spielten sich blutige Kämpfe zwischen konservativen, demokratischen und autoritär-feudalen Regierungen ab, bis sich Präsident Zogu, ehemaliger K.u.K.-Offizier, in der von ihm proklamierten Republik mit Hilfe Jugoslawiens und russischer Weißgardisten durchsetzte (1925) und zum König der Albaner machte (1928).

Außenpolitisch schloss sich Zogu an Italien an. Albanien wurde faktische eine italienische Militärbasis und Tirana-Verträge von 1926/27 banden das Land ans faschistische Italien, das noch vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges Albanien besetzte. Der Partisanenkrieg gegen die italienischen und, nach der Kapitulation Italiens 1943, gegen deutsche Besatzungstruppen führte 1944 aus eigener Kraft zur Befreiung Albaniens.

Unter Enver Hoxha wurde anschließend eine Volksdemokratie geschaffen, die wenig später zu einer brutal geführten Diktatur mutierte. Albanien, ohnehin ärmstes und ökonomisch rückständigstes Land auf der Balkanhalbinsel, isolierte sich von seiner Umgebung fast total und trieb im Innern die Umwandlung zum Kommunismus unter allen osteuropäischen Staaten am weitesten. In der erzwungenen Selbstisolierung nach den Kooperationen erst mit Jugoslawien, dann mit der Sowjetunion und zuletzt mit China, rutschte Albanien erst recht zum Armenhaus Europas ab.

Enver Hoxhas Tod 1985 führte zum Abbau des Personenkults. 1990 begannen die ersten Massenproteste, die ein Jahr später einen dramatischen Höhepunkt in der Massenflucht tausender junger Albaner nach Bari (Italien) fanden. 1992 zerfiel das diktatorische Regime und der Kommunismus wurde formal aufgegeben. Im sich 1967 als „erster atheistischer Staat der Welt" proklamierten Albanien wurden der Islam und die christlichen Kirchen wieder zugelassen.

Der Öffnung des Landes folgten ein Zusammenbruch des sozialistischen Marktsystems und eine damit verbundene Rechtsunsicherheit, welche bis heute teilweise anhält.

Die überstürzte Privatisierung in der Mitte der 1990er Jahre steigerte sich zu einem Schwindel erregenden Wildwest-Kapitalismus, der mit Korruption und betrügerischen Spekulationen unter der Mithilfe der „demokratischen Regierung" gutgläubigen Albanern die letzten Ersparnisse raubte und zu einem katastrophalen Bankencrash (1997) führte. Durch massive Plünderungen wurde ein großer Teil der Industrie und der Infrastruktur zerstört, zeitweise waren Teile des Landes in der Hand von bewaffneten Banden. Viele der aus den Kasernen gestohlenen Waffen sind noch heute im Umlauf. Das Land wurde wirtschaftlich um Jahre zurückgeworfen. Auf Grund der bürgerkriegsähnlichen Aufstände entsandten UNO und OSZE auf Ersuchen der Regierung (März bis August 1997) eine multinationale Friedenstruppe.

Die anschließenden Wahlen vom 29. Juni und 6. Juli1997 brachten eine Mehrheit für die postkommunistischen Sozialisten.

Im Zuge der Kosovo-Krise 1998/99 kam es zu Flüchtlingsströmen nach Albanien von etwa 500.000 Personen. Albanien wurde auch zum Sammelplatz für die NATO-Truppen. Im November 2000 wurde Albanien auf dem ersten Balkangipfel der Status eines potentiellen EU-Beitrittskandidatenlandes zuerkannt.

Seit 2005 ist Sali Berisha von der Demokratischen Partei Albaniens der Regierungschef.